Ein Artikel aus
der schwedischen Zeitung „Skogseko“:
Bringt der Wind der Veränderung die Kahlschlagwirtschaft zu Fall ?
Vielleicht
werden wir noch lange vom 14.März 2002 sprechen. An diesem Tag diskutierte
nämlich die schwedische Forstpartie zum ersten Mal seit 50 Jahren Alternativen
zur Kahlschlagwirtschaft. Es war die Königlich Schwedische Wald- und
Landbau-Akademie, die eingeladen hatte unter dem Thema „Waldbau in der
Veränderung“.
Kahlschlagwirtschaft
mit Kahlschlag, Pflanzung, Durchforstung und erneutem Kahlschlag wurde in den
Staatswäldern 1950 angeordnet. Die Methode hat sich als gut funktionierend
erwiesen, besonders in Nordschweden. Die Forstkonzerne und private
Waldeigentümer hängten sich schnell an. Und noch heute ist die
Kahlschlagwirtschaft „schwedischer Standard“, wenn auch in etwas modifizierter
Form.
Über
lange Zeit war es mehr oder weniger verboten über Alternativen zu sprechen.
Aber nun geschieht etwas. Das Treffen am 14. März könnte der Startpunkt werden
für eine neue Debatte über Waldbehandlung in Schweden, so Lars Sandström, der
Vorsitzende der Forstabteilung der Akademie.
Es
passiert jetzt viel in unserem Umfeld sagte er zu SkogsEko. Rund um uns herum
verlässt man die Altersklassenwirtschaft. Deutschland ist fast ganz
übergegangen zu einer Waldpflege mit ungleichaltrigen Mischwäldern und
Dauerwald, in der man niemals den Boden kahl legt. In Dänemark diskutiert man
naturnahen Waldbau. Und auch in Norwegen spricht man ernsthaft über
Alternativen zum Altersklassenwald. Wir können uns nicht länger verstecken vor
dem Wind der Veränderung, der in den europäischen Wäldern weht. Und auch unsere
Kunden könnten beginnen unsere Art der Waldbehandlung in Frage zu stellen. Und
dann müssen wir für unsere Sache Argumente bereit haben, sagte Jan Sandström.
Wir
sollten wohl auch etwas zurückhaltender sein. Schweden ist enorm ausgedehnt,
und wir haben viele verschiedene Waldeigentümer. Altersklassenwirtschaft ist vielleicht nicht
immer die beste Möglichkeit auf allen Standorten und für alle Eigentümer.
Im großen
und ganzen wurde über Waldbau in letzter Zeit überhaupt nicht gesprochen. Über
10 Jahre haben wir den Naturschutz in den Vordergrund gestellt. Es ist Zeit
wieder mehr auf die Holzproduktion zu blicken. Dafür haben wir dieses Treffen
ausgerichtet.
Das
Treffen am 14.März begann mit einem Gruß aus Dänemark. Bo Larsen, Professor für
Waldbau in Kopenhagen, berichtete vom naturnahen Waldbau, der sich jetzt in
Dänemark immer weiter verbreitet. Der Waldbau der Zukunft ist sowohl der Natur
als auch der Gesellschaft angepasst. Es ist ein Waldbau, der die eigenen Kräfte
und die Dynamik der Natur ausnutzt, der aber in engem Dialog mit der
Gesellschaft und den Menschen betrieben wird. Ein brauchbarer Waldbau muß
ökonomische, ökologische und soziale Anforderungen erfüllen, meinte er. Das tut
die herkömmliche Kahlschlagwirtschaft nicht. Ungleichaltrige Mischwälder sind
stabiler und haben höheren Naturschutzwert. Immer mehr dänische Waldbesitzer
schließen sich daher der Grundsätzen des naturnahen Waldbaues an. Bo Larsen
skizzierte auch ein Modell für einen naturnäheren Waldbau in Schweden. Für
Nordschweden konnte er sich eine modifizierte Kahlschlagwirtschaft vorstellen.
Geringere Kahlschlaggrößen, mehr natürliche Verjüngung als heute, aber sonst
der heutigen Wirtschaft nicht ganz unähnlich. In Südschweden sollten die
Veränderungen größer sein. Im naturnahen Waldbau gibt es keine Kahlschläge. Der
Wald wird in kleinen Gruppen genutzt, die sich natürlich verjüngen können. Der
naturnahe südschwedische Wald wird kleinflächig, abwechslungsreich und
ungleichaltrig werden, nach Bo Larsen.
Ivar
Ekanger, Forstmeister vom norwegischen Landwirtschaftsministerium, fuhr fort
mit einem düsteren Bild vom norwegischen Wald. Die Erträge sind gering, sagte
er. Es ist fast billiger Nutzholz zu importieren als den norwegischen Wald zu
nutzen. Und das gilt nicht nur für steiles Gelände. Sogar im Osten Norwegens,
wo die Geländeverhältnisse den schwedischen gleichen, sind die Erträge gering.
Das Vertrauen in die Zukunft ist gering in der norwegischen Forstwirtschaft,
und das beeinträchtigt die Bereitschaft der Waldbesitzer in Nachwuchs und
Pflege zu investieren. Viele norwegische Waldbesitzer verstoßen schon heute
gegen die Wiederaufforstungspflicht. Man nutzt – und dann tut man überhaupt nichts
mehr. Das scheint ein ganz ungefährlicher Gesetzesverstoß zu sein.
Denn obwohl es ein Waldgesetz auf dem Papier
gibt, wird es nicht kontrolliert. Man kann im Prinzip im eigenen Wald machen
was man will, solange es den Nachbarn nicht beeinträchtigt.
In
Schweden wird auf fast allen Böden die Kahlschlagwirtschaft angewendet. Aber
das beruht nicht auf fehlendem Wissen um andere Möglichkeiten, verkündete P.O.
Bäckström, Professor für Waldbau in Umeå. Es gibt einen ganzen Teil Forschung
über Plenterung und ungleichaltrige Wälder, meinte er. Aber bisher war die
schwedische Forstwirtschaft daran nicht interessiert, sondern hat mit
Kahlschlag immer weiter gemacht. P.O. Bäckström stellte eine bemerkenswerte
Überlegung an: Wenn ich meine europäischen Kollegen treffe, gibt es unter ihnen
keinen mehr, der noch über Altersklassenwald forscht.
So
beginnt nun vielleicht der Wind der Veränderung sogar in den schwedischen
Wäldern zu wehen. Aber sicher ist das nicht. Denn auf dem gutbesuchten Treffen
an der Königlichen Wald- und Landbau Akademie fehlte eine wichtige Gruppe: Die
Waldbauexperten der großen schwedischen Forstkonzerne waren nicht dabei ...
Von
Carl-Henrik Palmèr
Aus
SkogsEko Nr.1 April 2002 , Seite 15
Übersetzung aus
dem Schwedischen: J.-A.Hewicker