Am 20. August 2009 wurde im Forstamt Göhrde eine Regionalveranstaltung mit dem Thema „Nutzung über Nachwuchs“ durchgeführt. Das Thema hat große Aktualität, weil mehrschichtige Bestände ein integraler Bestandteil naturgemäßer Waldwirtschaft sind. Das Problem der Nutzung von Altholz über Nachwuchs tritt also überall auf, und die Angst vor Hauungsschäden ist häufig groß. Mit 55 Teilnehmern war die Exkursion besonders gut besucht, so dass zwei Gruppen gebildet wurden, die die Waldbilder getrennt voneinander besichtigten.
Im Forstamt Göhrde kommen alte Kiefernbestände vor, die mit Eiche und Buche unterbaut wurden. Im Oberstand soll der Massen- und Wertzuwachs noch lange ausgenutzt werden, gleichzeitig soll der Schirm für eine Erziehung des Nachwuchses sorgen. Über dem 10-jährigen Laubholznachwuchs war vor zwei Jahren eine Nutzung von 32 Fm/ha Kiefer durchgeführt worden. Schwerwiegende Schäden waren nicht zu erkennen. Von Bedeutung ist die maßvolle Entnahmemenge ( die man in Zukunft wiederholen kann ), die gezielte manuelle Hauung und die Rückung mit einer Kran-Maschine.
Über 8-jähriger Kiefern-Naturverjüngung war im Vorjahr eine Nutzung von 25 Fm/ha erfolgt. Auch hier hatte manuelle Hauung und Rücken mit Kran und Klemmbank keine wesentlichen Schäden hinterlassen. Kiefernkronen wurden in der Diskussion als grundsätzlich unproblematischer bezeichnet als andere Baumarten.
Die Nutzung von 33 Fm/ha über 40 jähriger Douglasie hatte punktuell zu gewissen Verlusten geführt. Diese werden aber durch die Entwicklung des Bestandes vollkommen ausgeglichen, darüber bestand Einigkeit. Um dies zu demonstrieren wurde auch ein 48 jähriger Douglasienbestand gezeigt, über dem im Laufe von 25 Jahren fast ein vollständiger Kiefernbestand genutzt worden war. Das Ergebnis war ein heute normal bestockter intakter Douglasienbestand. Auch wiederholte Altholznutzung über Douglasien-Nachwuchs muß also nicht zu bleibenden Schäden führen.
Die gepflanzten Laubholz-Nachwüchse unter Kiefer sind in Göhrde nicht älter als 10 Jahre. Um zu zeigen, dass Eiche auch längere Zeit Schirm und Nutzungsbetrieb ertragen kann, wurden Beispiele mit Eichen-Nachwuchs aus Naturverjüngung unter Kiefer gezeigt. Das Alter der Eichen betrug 27 und 62 Jahre. Nutzungen in der Kiefer hatten mehrfach stattgefunden, aber nie mit mehr als 50 Fm/ha, meist zwischen 20 und 40 Fm/ha. Zwischen den Eichen waren Reste von Kiefernkronen zu sehen, die „Schäden“ waren durch das Bestandeswachstum aber ausgeglichen worden.
Das Abschlußbild war die 62-jährige Häher-Eiche mit B° 0,6 , über der im Laufe der Zeit fast ein vollständiger Kiefernbestand genutzt worden war. Diesen Bestand im ehemaligen Forstamt Lüchow hatte die ANW im Jahre 1995 schon einmal unter Führung von Eckhardt Seebaß besichtigt.
Als Fazit konnte festgehalten werden, dass die Nutzung über Nachwuchs zum täglichen Handwerk gehört und dass auch bei wiederholten Nutzungsmengen bis 40 Fm/ha keine bleibenden Schäden entstehen müssen. Sorgfältige und angepaßte Hauungs- und Rücketechnik sind dabei von großer Bedeutung; der Verzicht auf qualifizierte Forstwirte wäre verderblich. Dem Nachwuchs muß Zeit gelassen werden für seine Entwicklung, die dann auch manche Wunde wieder heilt.
Im Forstamt Göhrde wurde nur die Situation unter Kiefer-Schirm gezeigt. Mit anderen Baumarten dürfte aber Ähnliches gelten.