Exkursion der ANW-Landesgruppe Niedersachsen am 11.6.2005:

 

Forstbetrieb Reuthen der Freiherr von Rotenhan´schen Forstverwaltung.

 

Das Revier wurde im Dezember 2000 von der BVVG gekauft und hat eine Größe von 1855 ha, (1693 ha Holzboden). Es liegt auf der Westflanke des Muskauer Faltenbogens, einer in der letzten Eiszeit durch einen keilförmigen Eisvorstoß entstandenen Stauchmoräne. Gelände und Standorte wechseln kleinflächig und sind charakterisiert durch die sogenannten „Gieser“. Dies sind in Nord-Süd-Richtung verlaufende Rinnen, die durch Steilstellung der in der Stauchmoräne eingelagerten Braukohleflöze und deren Oxydierung durch Kontakt mit der Luft entstanden sind. Teilweise sind die Rinnen weiter vertieft durch Braukohlen-Tagebau. Dennoch ist das Revier weitgehend geprägt durch arme(22 %), ziemlich arme (52 %) und mittelarme (10 %), durchweg mäßig trockene Standorte. Immerhin gibt es auf 15 % der Fläche durch Staunässe beeinflußte Böden in den Senken der „Gieser“. Die durch die Anreicherung von Tonmaterial aus der Braunkohle-Oxydierung entstanden sind. Die Niederschläge liegen in den tieferen Lagen der Umgebung bei 560 mm/Jahr. Auf dem Faltenbogen steigen sie bis 650 mm, und in den nächsten Jahrzehnten wird durch das Fluten der großen Tagebaue rund um das Revier eine weitere Begünstigung von Luftfeuchtigkeit und Niederschlag erwartet.

 

Daraus ergeben sich, was die potentielle natürliche Waldgesellschaft betrifft, Eichen-Kiefernwälder mit Birke, (Erle und Buche). Die aktuelle Bestockung besteht zu 72 % aus Nachkriegsaufforstungen und wenigen älteren Beständen, beim Erwerb der Flächen alle ungepflegt und durchweg überbestockt. 72 % sind Kiefer, 20 % Birke, 2 % Eiche und 6 % andere.

 

Mit dem ersten Eingriff wurden Rückegassen angelegt und per Hochdurchforstung die Zwischenfelder entrümpelt. Es wurden insgesamt etwa 30 % der aufstockenden Masse entnommen. Wegen des gegliederten Geländes ist eine Rückegassen-Anlage mit exakt gleichmäßigen Abständen nicht möglich. Im Interesse einer geringeren befahrenen Fläche wurde ein Abstand von etwa 25 m entsprechend 17 % befahrene Fläche gewählt. Die erforderliche Zufällung von Bäumen aus dem Mittelstreifen verursacht Mehrkosten von etwa 2 EURO je RM. Eine Z-Stamm-Auswahl und -Astung wurde nicht durchgeführt. Als Ergebnis bleibt ein weitgehend aus geradschaftigen und feinästigen Kiefern mit teils astfreien Schäften aber hochgeschobenen Kronen teilweise auch unregelmäßig dicht geschlossen zurück, die auf die Durchforstung auch noch im Alter von über 60 Jahren sofort und mit einem gesunden Kronenzuwachs reagiert.

 

Die über 40j. Birkenpartien reagieren nicht mehr so stark, dafür aber mit reichlich Saatgutbehang. Gesunde, ältere Stil- und Trauben-Eichen sind einzeln im ganzen Revier verteilt und versprechen nach ausreichender Freistellung eine befriedigende Beteiligung an der Verjüngung durch Hähersaat. Als einzige Baumart wird Douglasie künstlich in Form von 2j (neuerdings auch 1j) Container-Pflanzen im Verband von 5 x 5 m, entsprechen ca 300 Pflanzen je ha (nach Abzug der Gassen) unmittelbar nach dem Durchforstungseingriff auf die nahezu bodenbewuchsfreie Fläche ausgebracht.

 

Beim Waldbegang wurden Flächen durchlaufen, die in den Jahren 2001 und 2002 durchforstet und mit Douglasie bepflanzt waren. Beim Gang quer zu der „Giesern“konnte man die Entwicklung der Verjüngung auf den Standorten vom trockenen Kiesrücken bis zur staufeuchten Senke beobachten. Dabei fliegt die Kiefer bei ausreichender Belichtung auf den trockenen Köpfen am besten und oft ohne Mischung mit Birke an und wird sich dort durchsetzen, während die Birke auf der übrigen Fläche reichlich ankommt. Es ist zu erwarten und teils zu erkennen, daß die Douglasie die Birke überwachsen wird und daß die Eiche in der Birke ausreichend lange mithält, so daß die angestrebte Baumartenverteilung von 50 % Kiefer mit Eiche, Douglasie und Birke ohne kostenträchtige Pflegeeingriffe erreichbar erscheint. Die Douglasie wird sehr bald eine dritte mittlere Baumschicht und damit ein förderliches Bestandesinnenklima erzeugen.

 

Wesentliche Voraussetzung für das Gelingen der Verjüngung ist auch hier die scharfe Bejagung des Rehwildes und auch des Rotwildes. Die Äsungsverhältnisse in den durchforsteten Flächen verbessern sich schlagartig und ziehen das Wild an. Es wird ein Wettrennen mit der ankommenden Verjüngung, besonders der Birke, den Rehwildbestand ausreichend lange auf niedrigem Niveau zu halten, um Eichen und Douglasien den gewünschten Anteil zu sichern. In den 2001 und 2002 durchforsteten Flächen wird die Birke bereits 2006 die Rehwildbejagung wesentlich erschweren. Die Jagd wird daher ausschließlich in Eigenregie ausgeübt. Von der örtlichen Jägerschaft findet sich niemand, der sich mit der erforderlichen Intensität an der Bejagung beteiligt.

 

 

In den drei Tagen der Exkursion bekamen wir einen Einblick in drei unterschiedliche, sehr konsequent durchgeführte Konzepte zur Überführung von schlagweise bewirtschaftetem (Kiefern-) Hochwald in naturgemäße Waldwirtschaft. In allen drei Fällen wird sich der Wald in Richtung größere Betriebssicherheit gegen Sturm- und entomologische Kalamitäten und Waldbrand entwickeln. Der Arbeitsaufwand wird im kommenden Pflegedurchgang stark zurückgehen; allerdings werden wegen der nach wie vor geringen Durchmesser des ausscheidenden Bestandes auch die Einnahmen zunächst sehr zurückgehen. Es wird spannend sein, zu beobachten, ob mit den Einnahmen aus dem dritten Pflegedurchgang bereits die dann erforderliche Jungwuchspflege (im Wesentlichen die Ästung der Douglasie) finanziert werden kann. Eine Wiederholung der gleichen Exkursion in 10 Jahren sollte daher fest in das Programm der ANW Niedersachsen aufgenommen werden.

 

Hein Brötje