Eine straffe
Organisation, eine strategische Planung mit konkreten Zielen und eine
konsequente Umsetzung dieser Ziele – das zeichnet den Forstbetrieb im Revier
Massow der Hatzfeldt-Wildenburg´schen Forstverwaltung aus.
Das
Stamm des Betriebes in Rheinland-Pfalz wirtschaftet seit über 500 Jahren. Nach
dem Orkan Wiebke mit seinen katastrophalen Auswirkungen stellte der Betrieb aus
naturnahe Waldwirtschaft um, heute ist er FSC-zertifiziert. Um eine
Diversifikation in das Holzangebot, in die Baumarten und in die Standorte zu
bekommen, wurde 2001 der Betrieb in Brandenburg als größte zusammenhängende
Waldfläche (4000 Hektar) von der BVVG zum Verkehrswert erworben. Die Fläche war
einst ein weißer Fleck auf der Landkarte und wurde zu DDR-Zeiten als
Übungsplatz der Stasi genutzt, wovon bei der Übernahme noch etliche
Bunkeranlagen und Übungshäuser zeugten. Der Wald diente dabei als Schutzmantel
vor unerwünschten Blicken. Etliche angrenzenden Flächen wurden gekauft , sodass
der Betrieb heute mit 6500 Hektar Brandenburgs größter privater Waldbesitzer
ist. Mit dem Holzkompetenzzentrum Baruth und den dort ansässigen Firmen Klenk
und Claasen sitzen wichtige Kunden direkt an der Reviergrenze.
Bei der Übernahme
des Betriebes 2001 bot sich folgendes Bild: auf 96 Prozent der Fläche stockt
Kiefer mit der klassischen Altersklassenwaldstruktur: Kahlschlag, Vollumbruch,
Pflanzung. 70 Prozent der Kiefer ist zwischen 40 und 60 Jahre und resultiert
aus den Kahlschlägen nach dem Zweiten Weltkrieg. Auf den einstigen Schießbahnen
kommt die Birken-Sukzession.
„Der Betriebsteil
Massow soll in den nächsten 20 Jahren kostenneutral arbeiten und dann nach
Aufbau von qualitativ guten, gepflegten und auf Teilflächen möglichst
zweischichtigen Beständen einen wesentlichen Beitrag im Finanzhaushalt des
Gesamtbetriebes leisten. Mit dem Ankauf von Massow werden sehr langfristige
Ziele verfolgt“, heisst es im Exkursionsführer. Mit Dienstleistern und
Selbstwerbern organisiert der Betriebsleiter Mark Illerich die Erschließung der
Bestände und die anschließende Pflege. Ziel: In fünf Jahren das gesamte Revier
in Pflegeblöcken einmal durchgepflegt zu haben. Das Ziel wurde im Juni 2006
erreicht.
Das Auszeichnen
übernehmen dabei die forstlichen Dienstleister, die teilweise auch
branchenfremd sind, etwa Zahnmedizinstudenten beim Auszeichen der Rückegassen.
Illerichs Erfahrungen damit sind positiv: Der 20-Meter-Abstand und die
stringente Auszeichnung werden eher durchgesetzt als bei manchem Förster, der
dann doch mal um eine gute Kiefer mit der Rückegasse einen Bogen macht. In der
Tat bot die Feinerschließung ein exzellentes Bild. Mit GPS hat man wegen der
Überschirmung keine guten Erfahrungen gemacht.
Ab 8 bis 9 Meter
Oberhöhe geht Illerich mit Dienstleistern in die Bestände, markiert bis zu 80
Z-Bäume (in der Realität sind es dann oft nur 60), entnimmt durchschnittlich 9
nicht negativ ausgezeichnete Bäume für einen Z-Baum und lässt diesen dann
manuell auf 6 Meter asten (Kosten: 1 Euro pro Baum). Bis zum Alter 65 wird
dieses Verfahren angewendet, in älteren Beständen finden Entrümpelungshiebe mit
reiner Negativauslese statt (mit einer Senkung des Bestockungsgrades auf bis zu
0,5). Das erklärte Ziel ist, dass beim nächsten Eingriff kein Industrieholz
mehr anfällt. „Das sind natürlich Waldbilder, bei denen der klassische
Forstmann in Brandenburg stutzt“, so Illerich. Jährlich fallen Hiebsmassen
zwischen 75.000 und 130.000 Festmeter an.
Ziel ist es, in den
Anfangsjahren mit den hohen Erlösen aus Holzverkäufen die Investitionen in den
Betrieb zu finanzieren und diesen somit zukunftsfähig zu machen. So wurden die
Försterei im nördlichen Revierteil gebaut, 250 000 Z-Bäume geastet und 140
Kilometer Sandpiste zu ganzjährig lkw-fähigen Waldwegen ausgebaut (1,1 t
Material, Kosten 18 Euro pro lfm). Ein Drittel dieser Waldwege wurden zu 75
Prozent gefördert, die Förderhöchstgrenze liegt jedoch bei 50 000 Euro pro
Betrieb. Derzeit sind 76 Prozent des Einschlag IL, 24 Prozent LAS.
An Wild kommen Rot-,
Reh-, Dam- und Schwarzwild vor. Auch wenn es hier im Gegensatz zur Schorfheide
keine traditionell hohen Wildbestände gab, stellt das Wild das größte
Waldschutzproblem für den Betrieb da. Es wurden 500 Ansitzeinrichtungen und 500
Drückjagdstände gebaut und der Abschuss von Rot- und Damwild deutlich erhöht,
beim Rehwild kletterte der Abschuss in den Anfangsjahren von 0,6 auf 4,5 pro
100 Hektar. Mittlerweile werden 3 Rehe pro 100 ha sowie 0,1 bis 0,2 Rotwild geschossen.
15 Begehungsscheininhaber mit Reviergrößen von 200 bis 400 Hektar gehen
unentgeltlich zur Jagd und helfen als „Jagdmitarbeiter“, pflegen Hochsitze und
engagieren sich als Treiber. Wer nicht im Jagdbetrieb mitarbeiten möchte, kann
sich alternativ die Jagdgelegenheit für 750 Euro/Jahr erkaufen. Frei ist alles,
was die Jagdbehörde erlaubt, auch bei den Trophäenträgern gibt es keine
Einschränkungen, keine Gästejagdwochen etc. „Unser gesamtes Konzept hängt
maßgeblich von der Bejagung ab“, so Illerich. Das Wildbret wird zu 100 Prozent
direkt vermarktet, teilweise auch über den Stammbetrieb in Rheinland-Pfalz.
Die Brandenburger
Landesbeamten führen das Forstschutzmonitoring sowie die Waldbrandvorbeugung im
Betrieb durch. Ein Problem ist vor allem die Nonne in undurchforsteten
Stangenhölzern, außerdem ist der Spanner im Aufwind. Regelmäßig organisiert der
Betrieb Waldbrandübungen mit der örtlichen Feuerwehr.
Weil es keine
Standortkartierung gibt (sie wird derzeit mit Studenten durchgeführt), wurden
einige geförderte Waldumbauprojekte angestossen, um zu schauen, was waldbaulich
möglich ist. Von früher sind noch einige, bis zu 30 ha große Gatter vorhanden.
Die Saatflächen (Nestersaaten) sind noch ganz am Anfang, befriedigen aber
bislang nicht.
Die Kiefer neigt im
Revier ab Alter 120 vermehrt zu Schwamm. Deshalb will man weg von der
märkischen, schwachen, einförmigen Kiefer, hin zu starken Einzelbäumen mit
langer Krone, 6 bis 8 Meter astrein, mit einen auf den Wertholzbereich
gelenkten Zuwachs: „Jeder Zentimeter am Holz ist ein Euro mehr“, so Illerich.
Als LAS bringt das Holz etwa das zehnfache wie ein IL-Stück. Mit 20 Prozent des
jetzigen Einschlages soll langfristig der gleiche Erlös wie jetzt erzielt
werden. Eine Massennachhaltigkeit wird ausdrücklich nicht angestrebt.
Langfristig wird die Kiefer die dominierende Baumart bleiben, aber mit Birke
und Eiche – nicht für die Wertholzproduktion, sondern als Mutterbäume für die
Naturverjüngung.
In Jungbeständen
wird derzeit und auch aus Waldschutzgründen versuchsweise ein Harvester mit
Fäller-Sammler-Aggregat eingesetzt, der Ganzbäume nutzt. Der anschließend
eingesetzte Forwarder ist mit einer Kappsäge ausgestattet und zopft unterhalb
der grünen Krone, etwa bei 4,50 bis 7 Meter. Das Verfahren ist nicht
kostendeckend auf großer Fläche, wird aber wegen der geringen Nähe zum
Holzkompetenzzentrum dennoch durchgeführt. Ansonsten würde man in diesen
Beständen mit dem ersten Eingriff bis zur Erstdurchforstung warten.
In alten
Kieferbeständen werden pro Hektar 60 Eichentrupps zu 20 Pflanzen gepflanzt.
Außerhalb des Gatters kommt bereits Birke und Eberesche hoch, die Eiche jedoch
benötigt noch den Schutz des Gatters. Versuche laufen mit der Douglasie als
Initialzündung in alter Kiefer (500 Stück je ha, flächig verteilt).