Bericht über die Exkursion der ANW-Landesgruppe Niedersachsen am 10.6.2005:

 

Revier Massow, Hatzfeldt-Wildenburg´sche Verwaltung

 

Eine straffe Organisation, eine strategische Planung mit konkreten Zielen und eine konsequente Umsetzung dieser Ziele – das zeichnet den Forstbetrieb im Revier Massow der Hatzfeldt-Wildenburg´schen Forstverwaltung aus.

Das Stamm des Betriebes in Rheinland-Pfalz wirtschaftet seit über 500 Jahren. Nach dem Orkan Wiebke mit seinen katastrophalen Auswirkungen stellte der Betrieb aus naturnahe Waldwirtschaft um, heute ist er FSC-zertifiziert. Um eine Diversifikation in das Holzangebot, in die Baumarten und in die Standorte zu bekommen, wurde 2001 der Betrieb in Brandenburg als größte zusammenhängende Waldfläche (4000 Hektar) von der BVVG zum Verkehrswert erworben. Die Fläche war einst ein weißer Fleck auf der Landkarte und wurde zu DDR-Zeiten als Übungsplatz der Stasi genutzt, wovon bei der Übernahme noch etliche Bunkeranlagen und Übungshäuser zeugten. Der Wald diente dabei als Schutzmantel vor unerwünschten Blicken. Etliche angrenzenden Flächen wurden gekauft , sodass der Betrieb heute mit 6500 Hektar Brandenburgs größter privater Waldbesitzer ist. Mit dem Holzkompetenzzentrum Baruth und den dort ansässigen Firmen Klenk und Claasen sitzen wichtige Kunden direkt an der Reviergrenze.

Bei der Übernahme des Betriebes 2001 bot sich folgendes Bild: auf 96 Prozent der Fläche stockt Kiefer mit der klassischen Altersklassenwaldstruktur: Kahlschlag, Vollumbruch, Pflanzung. 70 Prozent der Kiefer ist zwischen 40 und 60 Jahre und resultiert aus den Kahlschlägen nach dem Zweiten Weltkrieg. Auf den einstigen Schießbahnen kommt die Birken-Sukzession.

„Der Betriebsteil Massow soll in den nächsten 20 Jahren kostenneutral arbeiten und dann nach Aufbau von qualitativ guten, gepflegten und auf Teilflächen möglichst zweischichtigen Beständen einen wesentlichen Beitrag im Finanzhaushalt des Gesamtbetriebes leisten. Mit dem Ankauf von Massow werden sehr langfristige Ziele verfolgt“, heisst es im Exkursionsführer. Mit Dienstleistern und Selbstwerbern organisiert der Betriebsleiter Mark Illerich die Erschließung der Bestände und die anschließende Pflege. Ziel: In fünf Jahren das gesamte Revier in Pflegeblöcken einmal durchgepflegt zu haben. Das Ziel wurde im Juni 2006 erreicht.

Das Auszeichnen übernehmen dabei die forstlichen Dienstleister, die teilweise auch branchenfremd sind, etwa Zahnmedizinstudenten beim Auszeichen der Rückegassen. Illerichs Erfahrungen damit sind positiv: Der 20-Meter-Abstand und die stringente Auszeichnung werden eher durchgesetzt als bei manchem Förster, der dann doch mal um eine gute Kiefer mit der Rückegasse einen Bogen macht. In der Tat bot die Feinerschließung ein exzellentes Bild. Mit GPS hat man wegen der Überschirmung keine guten Erfahrungen gemacht.

Ab 8 bis 9 Meter Oberhöhe geht Illerich mit Dienstleistern in die Bestände, markiert bis zu 80 Z-Bäume (in der Realität sind es dann oft nur 60), entnimmt durchschnittlich 9 nicht negativ ausgezeichnete Bäume für einen Z-Baum und lässt diesen dann manuell auf 6 Meter asten (Kosten: 1 Euro pro Baum). Bis zum Alter 65 wird dieses Verfahren angewendet, in älteren Beständen finden Entrümpelungshiebe mit reiner Negativauslese statt (mit einer Senkung des Bestockungsgrades auf bis zu 0,5). Das erklärte Ziel ist, dass beim nächsten Eingriff kein Industrieholz mehr anfällt. „Das sind natürlich Waldbilder, bei denen der klassische Forstmann in Brandenburg stutzt“, so Illerich. Jährlich fallen Hiebsmassen zwischen 75.000 und 130.000 Festmeter an.

Ziel ist es, in den Anfangsjahren mit den hohen Erlösen aus Holzverkäufen die Investitionen in den Betrieb zu finanzieren und diesen somit zukunftsfähig zu machen. So wurden die Försterei im nördlichen Revierteil gebaut, 250 000 Z-Bäume geastet und 140 Kilometer Sandpiste zu ganzjährig lkw-fähigen Waldwegen ausgebaut (1,1 t Material, Kosten 18 Euro pro lfm). Ein Drittel dieser Waldwege wurden zu 75 Prozent gefördert, die Förderhöchstgrenze liegt jedoch bei 50 000 Euro pro Betrieb. Derzeit sind 76 Prozent des Einschlag IL, 24 Prozent LAS.

An Wild kommen Rot-, Reh-, Dam- und Schwarzwild vor. Auch wenn es hier im Gegensatz zur Schorfheide keine traditionell hohen Wildbestände gab, stellt das Wild das größte Waldschutzproblem für den Betrieb da. Es wurden 500 Ansitzeinrichtungen und 500 Drückjagdstände gebaut und der Abschuss von Rot- und Damwild deutlich erhöht, beim Rehwild kletterte der Abschuss in den Anfangsjahren von 0,6 auf 4,5 pro 100 Hektar. Mittlerweile werden 3 Rehe pro 100 ha sowie 0,1 bis 0,2 Rotwild geschossen. 15 Begehungsscheininhaber mit Reviergrößen von 200 bis 400 Hektar gehen unentgeltlich zur Jagd und helfen als „Jagdmitarbeiter“, pflegen Hochsitze und engagieren sich als Treiber. Wer nicht im Jagdbetrieb mitarbeiten möchte, kann sich alternativ die Jagdgelegenheit für 750 Euro/Jahr erkaufen. Frei ist alles, was die Jagdbehörde erlaubt, auch bei den Trophäenträgern gibt es keine Einschränkungen, keine Gästejagdwochen etc. „Unser gesamtes Konzept hängt maßgeblich von der Bejagung ab“, so Illerich. Das Wildbret wird zu 100 Prozent direkt vermarktet, teilweise auch über den Stammbetrieb in Rheinland-Pfalz.

Die Brandenburger Landesbeamten führen das Forstschutzmonitoring sowie die Waldbrandvorbeugung im Betrieb durch. Ein Problem ist vor allem die Nonne in undurchforsteten Stangenhölzern, außerdem ist der Spanner im Aufwind. Regelmäßig organisiert der Betrieb Waldbrandübungen mit der örtlichen Feuerwehr.

Weil es keine Standortkartierung gibt (sie wird derzeit mit Studenten durchgeführt), wurden einige geförderte Waldumbauprojekte angestossen, um zu schauen, was waldbaulich möglich ist. Von früher sind noch einige, bis zu 30 ha große Gatter vorhanden. Die Saatflächen (Nestersaaten) sind noch ganz am Anfang, befriedigen aber bislang nicht.

Die Kiefer neigt im Revier ab Alter 120 vermehrt zu Schwamm. Deshalb will man weg von der märkischen, schwachen, einförmigen Kiefer, hin zu starken Einzelbäumen mit langer Krone, 6 bis 8 Meter astrein, mit einen auf den Wertholzbereich gelenkten Zuwachs: „Jeder Zentimeter am Holz ist ein Euro mehr“, so Illerich. Als LAS bringt das Holz etwa das zehnfache wie ein IL-Stück. Mit 20 Prozent des jetzigen Einschlages soll langfristig der gleiche Erlös wie jetzt erzielt werden. Eine Massennachhaltigkeit wird ausdrücklich nicht angestrebt. Langfristig wird die Kiefer die dominierende Baumart bleiben, aber mit Birke und Eiche – nicht für die Wertholzproduktion, sondern als Mutterbäume für die Naturverjüngung.

In Jungbeständen wird derzeit und auch aus Waldschutzgründen versuchsweise ein Harvester mit Fäller-Sammler-Aggregat eingesetzt, der Ganzbäume nutzt. Der anschließend eingesetzte Forwarder ist mit einer Kappsäge ausgestattet und zopft unterhalb der grünen Krone, etwa bei 4,50 bis 7 Meter. Das Verfahren ist nicht kostendeckend auf großer Fläche, wird aber wegen der geringen Nähe zum Holzkompetenzzentrum dennoch durchgeführt. Ansonsten würde man in diesen Beständen mit dem ersten Eingriff bis zur Erstdurchforstung warten.

In alten Kieferbeständen werden pro Hektar 60 Eichentrupps zu 20 Pflanzen gepflanzt. Außerhalb des Gatters kommt bereits Birke und Eberesche hoch, die Eiche jedoch benötigt noch den Schutz des Gatters. Versuche laufen mit der Douglasie als Initialzündung in alter Kiefer (500 Stück je ha, flächig verteilt).